Artikel 1/2014 Von “Sharing Turbine” zum aktuellen Konzept “Learning Toolbox”

Pekka Kämäräinen

Dieser Artikel ist der Erste in einer Serie von vier Artikeln über die jüngsten Aktivitäten des Learning Layers Projekts im Bausektor. Insgesamt beschreiben sie die Prozesse des partizipativen Designs und die Initiativen zur Anwenderbeteiligung – insbesondere in Zusammenarbeit mIt dem Praxispartner Bau-ABC. Dieser Artikel schildert die Evolution der Designidee vom Ausgangspunkt “Sharing Turbine” zum aktuellen Ansatz “Learning Toolbox”.

Sharing Turbine: Digitale Unterstützung für Lernprozesse im Rahmen des Weissen Ordners des Bau-ABC

In der Designkonferenz in Helsinki in März 2013 entschied das Projektkonsortium über vier ursprüngliche Designideen. Eine von diesen war die Designidee “Sharing Turbine”. Das Ziel war es, digitale Unterstützung für arbeitsbezogene Lernprozesse anzubieten, die im Rahmen des Weissen Ordners des Bau-ABC organisiert und durchgeführt werden. Ursprünglich wurde der Weisse Ordner als Instrument der Auszubildenden konzipiert – mit Arbeitsblättern zur Arbeitsvorbereitung, Projektplanung, Berichterstattung und Qualitätskontrolle. Aber als dicker papierbasierter Ordner war er in echten Arbeitssituationen kaum anwendbar.

Bau-ABC_White-Folder

Nach einer Reihe partizipativer Workshops wurde im lokalen Designprozess zunächst entschieden, dass bestimmte Gewerke als Pilotbereiche fungieren sollten. In dieser Phase wurden die Projekte der Auszubildenden im Rohrleitungsbau intensiver analysiert. Wir versuchten besondere Lösungen finden, um diese Arbeitsprojekte mit Hilfe von Multimedia, Web 2.0 Tools und mobilen Apps zu unterstützen.

Co-Design Workshops: Diskussionen, Storyboards, Design Meetings, Multimedia Training

Nach der  Designkonferenz organisierten die Teams von ITB und Pontydysgu verschiedene Co-design Workshops im Bau-ABC. In diesen Workshops arbeiteten in getrennten Sitzungen einmal Auszubildende und zum anderen Lehrwerkmeister und Projektleiterinnen mit.

  • Die ersten Workshops waren Conversational workshops, die in offenen Diskussionen design-relevante Probleme und Gestaltungsimpulse identifizierten.
  • In der nächsten Phase arbeiteten die Auszubildenden und Lehrwerkmeister mit Storyboards. Sie bereiteten Poster vor, um Arbeitsabläufe eines typischen Arbeitstages (sowohl in der Ausbildungsstätte als auch in den Betrieben) zu visualisieren. Diese Workshops haben uns geholfen, verschiedene kritische Fragen, Kommunikationslücken sowie Herausforderungen an den Austausch von Wissen zu identifizieren.
  • Im Übergang vom Ausgangspunkt zu mehr gomänenspezifischen Pilotmassnahmen wurden die Begegnungen mit den Lehrwerkmeistern zu Design Meetings, die ganz spezifische Projektaufgaben und Lösungsansätze zur Diskussion brachten.
  • Parallel zu diesem Übergang eintschieden wir, eine Reihe von Multimedia Training Workshops für die Lehrwerkmeister zu organisieren. Das Ziel war, Bewusstsein über relevante Web Tools und Apps sowie über Anwendungen von Multimedia und Web in der beruflichen Bildung zu erweitern und zu vertiefen.

Learning toolbox: Revision der ursprünglichen Designidee hin zur Entwicklung eines flexiblen Werkzeugkastens

In einer relativ kurzer Weile merkten wir, dass die Digitalisierung aller Inhalte des Weissen Ordners allzu viel Zeit und Aufwand erfordern würde. Das brachte uns zur Revision der ursprünglichen Designidee und zur Arbeit mit einem neuen Ansatz ab Januar 2014.

Die Entwicklung des neuen Ansatzes “Learning Toolbox” verschob unsere Aufmerksamkeit von der Digitalisierung der vorhandenen Dokumente zur Konzipierung einer Bildschirmoberfläche für mobile Geräte. Mit einer neuen Kachelstruktur kann man den Zugriff zu relevanten Webressourcen und digitalen Inhalten leichter steuern. Dadurch kann man eine webbasierte bzw. digital gespeicherte Ressourcenumgebung rund um den Weissen Ordner gestalten.

Ein grosser Vorteil dieses Ansatzes ist, dass man flexibler die Einbettung digitaler Inhalte in die jeweiligen Projektaufgaben organisieren kann, anstatt alle Materialien für den gegebenen Projektbereich gleich zu Anfang einzuführen. Zum zweiten bietet dieser Ansatz mehr Offenheit für die Verzahnung des Lernens in Betrieben und in der überbetrieblichen Ausbildungsstätte sowie in den Berufsschulen. Jetzt kann man Bilder, Audio, Video oder Text selbständig speichern, austauschen und zur Diskussion stellen – und damit Lernerfahrungen aus dem Betrieb sowie aus der Ausbildungsstätte vertiefen.

Mit Hilfe einer mächtigen Suchmaschine können wir eine ganze Menge Blogs, Wikis und Webseiten (z.B. die Plattform BauBildung.net) durchsuchen, um projektrelevante Informationen oder Anregungen zu finden. Zusätzlich wird die Benutzeroberfläche der Learning Toolbox so gestaltet, dass man sie mit Handschuhen bedienen kann. Jede Kachel ist eine unabhängige App an sich und ermöglicht deshalb auch flexible Umsetzungen für verschiedene Situationen bzw. Anwendergruppen.

Bau-ABC_LTB

Vom Werkzeugkasten für Ausbildung zu flexiblen Toolboxen für verschiedene Anwender im Bausektor

Ursprünglich hat auch die Idee der Learning toolbox sich aus der Unterstützung des Lernens der Auszubildenden (im Zusammenhang der Projektarbeiten mit den Weissen Ordnern) entwickelt. Aber die neuen Anpassungsmöglichkeiten erweitern die Chancen auch für betriebliche Anwendungen (z.B. in der Optimierung von Arbeitsprozessen sowie im arbeitsbezogenen Austausch von Wissen). Dadurch wird die Toolbox als ein integrativer Werkzeugkasten gestaltet, den man mit einem QR-Scanner und anderen Funktionalitäten bereichern kann. Diese Chancen und Erweiterungsperspektiven muss man in einer neuen Reihe von Pilotworkshops testen. Das erlebten wir schon in den ersten Verbreitungsaktivitäten, die wir bald nach dem Entwerfen der ersten Präsentationen über die Learning Toolbox begannen.

Learning Toolbox (LTB) Chronik, Jahrgang 1, 1/2014

Leave a Reply