Artikel 4/2014 Das Projekt geht voran mit Verbreitungsaktivitäten und Pilotworkshops

Pekka Kämäräinen

Dieser Artikel ist der letzte in einer Reihe zu Co-Design und Nutzereinbindung im Learning Layers Projekt im Bausektor. Er beschreibt zwei jüngere Maßnahmen zur Verbreitung der Projektarbeit und der Ergebnisse des Projekts. Zuerst wird über den Besuch des Projektteams auf der grossen norddeutschen Fachmesse NordBau berichtet. Danach kommt ein Bericht über die Pilotworkshops von Learning Layers Tools mit zwei interessierten Handwerksbetrieben.

Learning Layers besucht die Fachmesse NordBau

Die jährliche NordBau Fachmesse in Neumünster, nahe Hamburg, ist die grösste Fachmesse für den Bausektor in Norddeutschland. Die Messehallen stellen eine Vielzahl an Produkten, Werkzeugen, Materialien und Dienstleistungen vor. Die Ausstellungsbereiche ausserhalb der Messehallen sind voll von riesigen Machinen und Geräten aller wichtigen Hersteller. Das Bau-ABC ist natürlich ein Stammgast, weil diese Veranstaltung eine gute Gelegenheit anbietet, mit den Firmen Terminvereinbarungen und Kooperationspläne zu machen. Diesmal wurde entschieden, dass auch die Projektleiterinnen Melanie Campbell und Kerstin Engraf sowie  ich als Projektmitarbeiter von Learning Layers die Fachmesse besuchen. Unser Kurzbesuch wurde von den Lehrwekmeistern Grewe und Schütte vorbereitet, die von Anfang an an dieser Fachmesse teilgenommen hatten. Wir hatten vereinbart, dass wir zuerst die Ausstellungen der ICT-Dienstleistungsanbieter besuchen, um dann mit den Herren Grewe und Schütte an deren Gespräche mit ausgewählten Firmenvertretern teilzunehmen.

LL-Team_visits_NordBau

Wir waren besonders interessiert herauszufinden, ob und inwiefern die ausstellenden ICT-Anbieter über ähnliche Tools bzw. Apps für Facharbeiter (und deren Vorgesetzte an der Baustellen) verfügen und welche Rolle die Anwendung von mobilen Geräten dabei spielt. Diesbezüglich bemerkten wir, dass sehr wenige Aussteller mobile Apps vorgestellt haben  – und auch die waren eher auf andere Zielgruppen (z.B. Architekten oder Firmenleiter) fokussiert.

Der zweite Teil unseres Besuchs bestand aus kurzen Besuchen und Gesprächen in den Ausstellungsbereichen der Maschinenhersteller. Insgesamt besuchten wir die Ausstellungen von sechs solcher Firmen: Liebherr, Wirtgen Group, TractoTechnik, Vetter GmbH Kabelverlegetechnik, Tramann + Sohn, Wacker Neuson. Diese Besuche waren von Herrn Grewe organisiert und Teil des normalen Austauschs zwischen Bau-ABC und den Herstellern auf den Fachmessen. Diesmal hatten wir einen zusätzlichen Schwerpunkt, die Diskussionen über das Projekt Learning Layers und insbesondere über die Learning Toolbox. Für das Projekt war es wichtig, dass das Bau-ABC die Verbreitung der Learning Toolbox (und die Werbung der Firmen für die Teilnahme an Pilotmassnahmen) in ihre Geschäftsbeziehungen integriert hat.

Pilotworkshops mit den Handwerkbetrieben gehen voran

Gleichzeitig machte das ITB Fortschritte mit den Pilotworkshops für Handwerksbetriebe im Bausektor. Der erste Pilotworkshop wurde als follow-up Massnahme früherer Aktivitäten des Projekts geplant. Anstatt solche Workshops für eine grössere Gruppe von Unternehmen anzubieten,  hatten wir zuerst entschieden, mit einem kleinen Pilotworkshop anzufangen. Wir hatten zwei Betriebe eingeladen, die wir in der Anfangsphase des Projekts interviewed hatten und die auch über gute Kontakte zu den Praxispartnern des Projekts (Agentur und Bau-ABC) verfügen.

Die Firma K ist ein Zimmererbetrieb mit 36 Beschäftigten. Die Firma ist mitbeteiligt am Netzwerk Nachhaltiges Bauen und an mehreren fachspezifischen Netzwerken. Die Firma K war ein Pionier in der Entwicklung von betriebsspezifischen Apps und ist dabei, Tablet PCs für Teamleiter einzuführen. Gleichzeitig legt die Firma besonderen Wert darauf, dass die Einführung neuer ICT-Tools nicht zu einer Kommunikationslücke unter den Mitarbeitern führt. Die Firma hat eine Tradition von regelmässigen Meetings für Qualitätsfragen (QT-Runde).

Die Firma W ist eine  mittelgrosse Firma mit ca. 430 Beschäftigte im Rohrleitungsbau. Die meisten Mitarbeiter arbeiten in Kolonnen, die aus zwei oder drei Facharbeitern bestehen. Die Firma hat eine längere Kooperation mit dem Bau-ABC entwickelt. Die Firma W war auch ein Pionier in der Einführung von Digipens und Mobile Offices (Laptops mit Internetanschluss) für die Kolonnen sowie mit zentralen Datenbanken. Rückblickend zeigt es sich, dass nicht alle diese Investitionen zur Produktivitätssteigerung beitrugen. Insbesondere zeigt es sich, dass  durch die Verfügbarkeit solcher Tools mehr Zeitaufwand für Recherchen und Suchaktionen mit sich brachte. In der Firmenzentrale gibt es zentrale Datenbanken und die Firmenleitung ist informiert über Wissensmanagement und Datenschutz. Betreffend Wissensaustausch und Erfahrungsaustausch zwischen den Teams gibt es wenig Chancen zu face-to-face Meetings, und deshalb wären digitale Lösungen von Interesse.

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Im Workshop gaben wir zuerst einen Überblick über die aktuelle Phase des Projekts Learning Layers. Dann wurden die Firmen eingeladen, über die Anwendungen der ICT, Web Tools und digitaler Medien (einschliesslich die Anwendung von mobilen Technologies) zu erzählen. Danach hatten wir eine Demonstration der Learning Toolbox als Werkzeugkasten, um die Anwendung von Webressourcen und Apps mit einem mobilen Gerät zu steuern. Anschließend versuchten wir, besondere Situationen zu identifizieren, in denen firmenspezifische Pilotmaßnahmen mit der Learning Toolbox vom Nutzen wären.

Abschliessende Bemerkungen

Für das Projekt war diese Veranstaltung ein kleiner aber wichtiger Schritt voran. Beide Betriebe haben den Einstieg in die künftigen Pilotaktivitäten gefunden. Für die Firma K ging es mehr um firmeninterne Kommunikation und Wissensaustausch sowie um bessere Chancen, an einer nationalen Netzwerkkooperation teilzunehmen. Für die Firma W ging es um facharbeitergerechten Zugriff auf Qualitätshandbücher und Richtlinien (die unter den Behörden bzw. Netzanbietern unterschiedlich gestaltet sind).

Insgesamt waren beide Firmen bereit, die Kooperation mit dem Projekt fortzusetzen und in einer firmenspezifischen Phase mit weiteren Pilotworkshops einzusteigen. So zeigt sich, dass wir mit den jüngsten Aktivitäten die Praxispartner und die Firmen dazu gebracht haben, sich die Pilotmassnahmen als eigene Initiativen zu eigen zu machen.

Learning Toolbox (LTB) Chronik, Jahrgang 1, 4/2014

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